Manche Menschen kommen durch Bücher zum Schreiben. Ich kam durch Geschichten meiner Familie dazu.
Als Kind hörte ich von Flucht und Verlust, von Heimat, die plötzlich nicht mehr existierte. Diese Erzählungen haben sich in mich eingeschrieben, lange bevor ich wusste, dass ich eines Tages selbst Geschichten erzählen würde. Irgendwann merkte ich: Schreiben ist für mich kein Beruf, den man wählt. Es ist eine Notwendigkeit. Ein Versuch, das Unbegreifliche begreifbar zu machen.
Krieg und Vertreibung sind keine abstrakten Themen für mich. Sie sind persönlich. Und genau deshalb schreibe ich darüber. Nicht aus historischer Distanz, sondern aus dem Bedürfnis heraus, zu verstehen, was Menschen einander antun und wie sie trotzdem weiterleben.
Die Perspektive der Kinder habe ich nicht bewusst gewählt. Sie hat sich aufgedrängt. Kinder fragen anders. Sie benennen das Grausame ohne Beschönigung und suchen gleichzeitig unbeirrt nach Sinn. In ihrer Sichtweise steckt eine Ehrlichkeit, die Erwachsene sich oft nicht mehr erlauben. Wenn ich aus Kinderperspektive erzähle, erzähle ich die Wahrheit, ungefiltert, direkt ins Herz.